Beispiel für ein Website-Briefing
Ein kurzes, erfundenes Briefing mit Zielen, Zielgruppe, Umfang, Budgetrahmen und Zeitplan, das Sie für Ihre eigene Anfrage umschreiben können.
1 Überblick
Ein Website-Briefing ist das kurze Dokument, das Sie an Entwicklerinnen, Entwickler oder Agenturen schicken, bevor jemand ein Angebot schreibt. Es umfasst ein bis zwei Seiten und beantwortet die Fragen, die im ersten Gespräch ohnehin gestellt werden: Was wollen Sie erreichen, für wen, wie viel soll entstehen, was steht fest, wie viel können Sie ausgeben und bis wann muss die Website online sein? Ein Briefing ist kein Lastenheft. Es soll einem Anbieter in zehn Minuten zeigen, ob das Projekt zu ihm passt, und Ihnen Antworten liefern, die sich vergleichen lassen.
Was ein Briefing enthalten muss
- Über Sie: zwei, drei Sätze dazu, was Ihr Unternehmen macht und wer für das Projekt verantwortlich ist.
- Anlass: der Grund für das Projekt. Ein veraltetes Erscheinungsbild, ein System, das niemand mehr pflegen kann, ein neues Angebot, zu wenige Anfragen.
- Ziele: Was soll nach dem Start anders sein? Am besten mit einer Zahl, die Sie heute schon messen.
- Zielgruppe: Wer besucht die Website, was sucht diese Person und mit welchem Gerät?
- Umfang: Seiten, Funktionen und Sprachen, getrennt nach notwendig und wünschenswert.
- Rahmenbedingungen: was feststeht, etwa ein vorhandenes Erscheinungsbild, die Domain, ein Terminwerkzeug oder ein System, das Ihr Team bereits kennt.
- Inhalte: Wer liefert Texte und Fotos? Hier entstehen die meisten Verzögerungen.
- Budgetrahmen: eine Spanne, keine einzelne Zahl.
- Zeitplan: der gewünschte Starttermin und der Grund dafür.
- Ablauf: Wer entscheidet, wie viele Anbieter Sie anfragen und bis wann Sie eine Antwort erwarten.
Warum das Budget ins Briefing gehört
Viele Auftraggeber nennen kein Budget, weil sie befürchten, dass dann jedes Angebot genau auf dieser Summe landet. In der Praxis ist das umgekehrte Problem häufiger: Ohne Rahmen kalkuliert ein Anbieter eine Website auf Basis einer fertigen Vorlage und ein anderer eine individuelle Entwicklung, und beides lässt sich nicht vergleichen. Eine Spanne zeigt, welche Art von Lösung vorgeschlagen werden soll. Wenn Sie wirklich keine Vorstellung haben, schreiben Sie das und bitten Sie um eine kleine, eine mittlere und eine große Variante.
Häufige Fehler
- Die Lösung beschreiben statt das Ziel. Hinter „Wir brauchen einen Slider auf der Startseite“ steht vielleicht der Wunsch, drei Leistungen auf einen Blick zu zeigen.
- Ein Ziel, das sich nicht prüfen lässt. „Ein moderner Auftritt“ ist Geschmack. „Doppelt so viele Angebotsanfragen über die Website“ ist ein Ziel.
- Alle Wünsche haben dieselbe Priorität. Kennzeichnen Sie, was zum Start nötig ist und was später folgen kann.
- Die Zeit nach dem Start fehlt. Schreiben Sie, wer Inhalte pflegt und ob Sie Wartung, Hosting und Betreuung vom selben Anbieter erwarten.
- Niemand ist als entscheidende Person benannt. Müssen drei Personen zustimmen, plant der Anbieter mehr Abstimmungsrunden ein, und das wirkt sich auf Preis und Termin aus.
- Eine Liste von Websites, die Ihnen gefallen, ohne zu sagen, was genau Ihnen daran gefällt.
So nutzen Sie das Beispiel
Ersetzen Sie die Inhalte durch Ihre eigenen und halten Sie jeden Abschnitt kurz. Können Sie einen Abschnitt nicht ausfüllen, schreiben Sie, dass der Punkt offen ist. Eine ehrliche Lücke hilft mehr als eine Vermutung. Schicken Sie allen Anbietern dasselbe Briefing und bitten Sie darum, ausdrücklich zu nennen, was im Preis nicht enthalten ist. Bei einer größeren Webanwendung ist das Briefing der erste Schritt; das Lastenheft folgt, sobald Sie sich für einen Partner entschieden haben. Die Zahlen im Beispiel sind zur Veranschaulichung erfunden und kein Preisrichtwert. Impressum, Datenschutzerklärung und Einwilligungen lassen Sie rechtlich prüfen.
2 Beispiel
Dieses Briefing ist vollständig erfunden. Die Gartenbau Elsterhain GmbH, die genannten Personen und alle Zahlen einschließlich des Budgets sind fiktiv und zeigen nur, wie viel Detail ein Anbieter braucht.
Briefing: Neue Website für die Gartenbau Elsterhain GmbH
Absenderin: Marlies Düring, Geschäftsführerin
Über uns
Die Gartenbau Elsterhain GmbH plant und baut Privatgärten und pflegt Außenanlagen von Wohnanlagen und Gewerbebetrieben. Wir sind 17 Mitarbeitende und betreuen rund 90 Pflegeverträge. Für das Projekt bin ich verantwortlich; die Entscheidungen treffe ich gemeinsam mit unserem Bauleiter Thore Benning.
Anlass
Unsere Website ist acht Jahre alt, auf dem Smartphone kaum lesbar und kann von uns nicht selbst geändert werden. Über die Website erreichen uns etwa 5 Anfragen im Monat, meist ohne Angaben zu Fläche und Ort. Bewerbungen kommen über die Website gar nicht.
Ziele
- Die Zahl der Anfragen für Gartenneuanlagen steigt innerhalb eines Jahres von etwa 5 auf 10 im Monat.
- Jede Anfrage enthält Ort, ungefähre Fläche und gewünschten Zeitraum.
- Pro Ausbildungsjahr gehen mindestens 8 Bewerbungen über die Website ein.
Zielgruppe
- Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer im Umkreis von etwa 40 Kilometern, die abends mit dem Smartphone nach Beispielen und einer Preisvorstellung suchen.
- Hausverwaltungen, die am Schreibtisch einen zuverlässigen Pflegebetrieb suchen.
- Schülerinnen und Schüler, die sich für eine Ausbildung interessieren.
Umfang
Zum Start notwendig:
- Startseite, Leistungen (4 Unterseiten), Über uns, Kontakt.
- Referenzen mit etwa 20 Projekten, nach Leistung filterbar.
- Anfrageformular mit Foto-Upload.
- Seite „Ausbildung und Jobs“ mit kurzem Bewerbungsformular.
- Nur Deutsch.
Wünschenswert, auch später möglich:
- Ein Ratgeberbereich mit jahreszeitlichen Pflegetipps.
- Eine Online-Terminanfrage für die Erstberatung.
Rahmenbedingungen
- Logo und Farben sind vorhanden und bleiben unverändert.
- Die Domain bleibt; wichtige bisherige Adressen sollen korrekt weitergeleitet werden.
- Texte und Referenzen wollen wir selbst pflegen können.
- Anfragen sollen im gemeinsamen Postfach des Büros ankommen.
Inhalte
Die Texte liefern wir bis Ende der dritten Projektwoche. Für 14 Projekte gibt es gute Fotos, 6 weitere lassen wir bis Ende Oktober fotografieren.
Budgetrahmen
Zwischen 8.000 und 13.000 Euro netto für Gestaltung, Umsetzung und Start. Bitte weisen Sie notwendige und wünschenswerte Teile getrennt aus und nennen Sie die monatlichen Kosten für Hosting und Wartung.
Zeitplan
Start bis 15. Januar, damit die Website vor Beginn der Frühjahrssaison bekannt ist. Rückmeldungen geben wir innerhalb von drei Werktagen.
Ablauf
Wir fragen drei Anbieter an. Bitte senden Sie uns bis 20. September ein grobes Angebot und zwei vergleichbare Projekte. Wir entscheiden bis 2. Oktober.
3 Für wen das relevant ist
Gründerinnen und Gründer
Sie erhalten einen kurzen Aufbau, mit dem Sie Ihr Website-Projekt so beschreiben, dass Anbieter mit einem realistischen Angebot antworten und nicht mit einer langen Liste von Rückfragen.
Marketingleitung
Sie sehen, wie sich Ziele, Zielgruppe und die Zuständigkeit für Inhalte so formulieren lassen, dass der Relaunch an Anfragen gemessen wird und nicht nur am neuen Aussehen.
Betriebsleitung
Sie finden die Punkte, die im Alltag zählen: wer Inhalte pflegt, wo Anfragen ankommen, welche vorhandenen Werkzeuge bleiben und wer nach dem Start für Wartung zuständig ist.
4 Fragen und Antworten
Wie lang sollte ein Website-Briefing sein?
Ein bis zwei Seiten. Das Briefing soll in zehn Minuten lesbar sein und Ziele, Zielgruppe, Umfang, Rahmenbedingungen, Budgetrahmen und Zeitplan abdecken. Einzelheiten wie der genaue Seitenaufbau oder Formularfelder gehören nicht hinein; sie erarbeiten Sie mit dem Anbieter, für den Sie sich entscheiden.
Soll ich mein Budget im Briefing wirklich nennen?
Ja, als Spanne. Ohne diese Angabe raten Anbieter, welche Größenordnung Sie erwarten, und die Angebote lassen sich nicht vergleichen. Eine Spanne verpflichtet Sie nicht, den oberen Wert auszugeben. Bitten Sie zusätzlich darum, notwendige und wünschenswerte Teile getrennt auszuweisen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Briefing und einem Lastenheft?
Das Briefing ist ein kurzer Überblick für die erste Anfrage und für grobe Angebote. Ein Lastenheft ist ausführlicher, nummeriert jede Anforderung und legt Abnahmekriterien fest; es dient als Vertragsgrundlage. Für eine einfache Unternehmenswebsite genügt oft das Briefing, für eine Webanwendung brauchen Sie beides.
Sie planen ein ähnliches Projekt?
Schildern Sie uns Ihr Vorhaben. Sie erhalten eine klare Einschätzung zu Umfang, Vorgehen und Aufwand.
